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Angesichts des Fehlens dieser Stammkräfte dürfte es für die Eintracht in Leverkusen vornehmlich darauf ankommen, die Niederlage in überschaubaren Grenzen zu halten", schrieb Thomas Kilchenstein vor dem Auswärtsspiel in Leverkusen in der Frankfurter Rundschau und bekam die für ihn in den letzten Monaten gewohnte verbale Prügel im Internet. Man kann es drehen, wie man will - Kilchenstein hat die Situation offensichtlich realistisch eingeschätzt.
One-touch, Passgeschwindigkeit und Passhärte? Lasst mir meine Ruhe. Und verschont mich mit den bei 'sky' getätigten von
Selbstkritik befreiten Aussagen einer Führungskraft, die angeblich die
Laktatwerte eines Spielers kennt, mit der sie noch nie gearbeitet hat, aber jetzt so tut, als sei ihr das Niveau des spielenden Personals nicht bekannt gewesen. Die
Widersprüche und
Ungereimtheiten, in die sich der '
Medienprofi' Michael Skibbe
fortlaufend verstrickt, gehen mir mehr und mehr gegen den Strich.
Der aktuelle Übungsleiter - und er verdient diesen Titel weit mehr als sein Vorgänger - verweist wie Funkel gerne auf seine Erfahrung. Erfahrung ist in einer Diskussion immer ein nettes Totschlagargument, wenn man sich mit seinem Gegenüber inhaltlich nicht auseinandersetzen will. Für mich gibt es kaum einen Unterschied, ob jemand sagt, dass er etwas schon immer so gemacht habe und deswegen weiterhin so machen werde oder dass er es besser wisse, weil er es schon so lange mache.
Der Mann also, der "mächtig" viel Erfahrung mit jungen Talenten hat und deshalb genau weiß, wann einer so weit ist, dass er ihn bringen kann, dieser Mann hat beispielsweise Ende Oktober gesagt, dass Ralf Fährmann noch nicht so weit ist:
"Ich würde ihm mit einem Einsatz gegen die Bayern keinen Gefallen tun." (FR, 27.10.) 10 Tage später ist Ralf Fährmann dann plötzlich so weit? Gegen einen Klub, der laut Skibbe "
wie Bayern München auf einem ganz anderen Niveau spielt als Eintracht Frankfurt"? (eintracht.de, 5.11.)
Aber was soll's - an Ralf Fährmann ist das Debakel in Leverkusen nicht festzumachen. Ihm ist nicht anzulasten, dass sich die Eintracht zum wiederholten Male in dieser Saison wie ein Tanzbär an einem Ring durch die Manege hat führen lassen und sich der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Es war nicht einmal ansatzweise zu erkennen, welchen Plan diese Elf verfolgt. Und dass diese Mannschaft nach einem Rückstand gegen einen stärkeren Gegner keine Vorstellung davon besitzt, wie solch ein Spiel noch zu ihren Gunsten entschieden werden könnte, kennt man als Eintrachtfan seit Jahren.
Die Häufung der indiskutablen Vorstellungen in den letzten Partien stimmt jedoch bedenklich, in den letzten sieben Pflichtspielen gab es ein
0:3 gegen den VfB, ein
0:4 gegen die Bayern und nun das
0:4 in Leverkusen. Für alle, die mit Macht eine Weiterentwicklung sehen wollen oder müssen, habe ich eine gute Nachricht: Es geht tatsächlich voran. Benötigten die Stuttgarter gegen eine dezimierte Frankfurter Eintracht noch fast eine Stunde, um mit 3:0 in Führung zu gehen, gelang das den Bayern im DFB-Pokal schon nach einer knappen halben Stunde. Den Leverkusenern reichten gestern Abend dann ein Dutzend Minuten ...
Gegen den VfB haben wir die höchste Heimniederlage gegen die Schwaben (0:4 am
16.2.2007) nur knapp verpasst, wobei man nicht vergessen sollte, dass die beiden höchsten Heimniederlagen gegen die Stuttgarter unter Friedhelm Funkel eingefahren wurden. Gegen Bayern München hat die Eintracht mit dem 0:4 in den mir bekannten Pflichtspielen seit 1963 die höchste Heimschlappe eingefahren und in Leverkusen die dort bisher höchste Auswärtspleite vom
28.8.1994 zumindest eingestellt. Hätten sich die Gegner nicht darauf beschränkt, in diesen Spielen ihre einmal herausgeschossene Führung zu verwalten, wären wohl in jeder Partie ein halbes Dutzend Tore gegen die Eintracht fällig gewesen. Und das Ganze wohlgemerkt nicht aufgrund eines eigenen, gescheiterten Plans, sondern dank einer peinlichen Harmlosigkeit in der Offensive und einer unerklärlichen Unordnung im Defensivbereich.
Der Mitverantwortliche für diese sportlichen Offenbarungseide soll jetzt bitte nicht so tun, als habe ihn irgendjemand über das
wahre Leistungsvermögen dieser Truppe getäuscht. Wenn er sie falsch eingeschätzt hat, ist das sein Problem. Die Grenzen dieses Kaders sind wortwörtlich überschaubar und damit für jedermann ersichtlich gewesen, der nicht dem Irrglauben anhing, nur der alte Trainer habe den Sturm auf die europäischen Plätze verhindert.
Auch ein wenig Selbstkritik stünde Michael Skibbe ganz gut zu Gesicht. Abgesehen davon, dass beispielsweise ein Spieler wie Fenin seiner Vorjahresform meilenweit hinterherläuft, haben Skibbes
taktische Vorgaben längst nicht immer den erwünschten Erfolg gebracht. Ob die Mannschaft nicht in der Lage war, diese umzusetzen oder die Marschroute wie im Pokal gegen die Bayern einfach daneben lag, sei dahingestellt. Doch bei drei Klatschen in den letzten sieben Pflichtspielen ist die öffentlich vorgetragene Kritik an der Qualität der eigenen Spieler für mich ein allzu durchsichtiges Manöver, um von der eigenen Person abzulenken.
Es ist außerdem nicht besonders klug, seinem kompletten Mitarbeiterstamm - mit einer Ausnahme - in aller Öffentlichkeit die Konkurrenzfähigkeit in der Bundesliga abzusprechen. Es sind nämlich genau diese Angestellten, die gemeinsam mit dem Trainer die ausgegebenen Ziele erreichen sollen. Wer dergleichen Äußerungen bejubelt, hat noch keine Menschen geführt oder ist in der Lage, sein Personal jederzeit gegen anderes auszutauschen. Michael Skibbe kann das nicht. Und den Nachweis, dass er als Trainer besser ist als seine ihm anvertraute Mannschaft, ist er in meinen Augen in dieser Saison bisher noch schuldig geblieben.
Wem die Arbeitsbedingungen bei der Eintracht nicht passen, dem steht es frei, sich um eine Vertragsauflösung zu bemühen und sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Und damit meine ich ausdrücklich Trainer und Spieler.
Wenn hier einer das Recht hat, verärgert und vergrätzt zu reagieren, dann sind es die Fans. Vor allen Dingen die, die sich gestern Abend auf den Weg nach Leverkusen gemacht haben, um eine Mannschaft zu unterstützen, die in den ersten 20 Minuten bestenfalls körperlich anwesend war und es sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht hatte, der Bayer-Elf nicht allzu sehr im Wege zu stehen. Dieser Mannschaft kann ich nur eines sagen: Schämt euch. Grenzenlos.