Samstag, 30. Dezember 2006
Willi war der Beste... zumindest auf links und bis heute!
Willi würde ich es gönnen, heute noch einmal an der linken Außenbahn die Linie runter zu marschieren und sein Williiiiiiiiiiiiiiiiii mal vor ausverkauftem Haus und der aktuellen Fangeneration zu genießen, statt vor 12-20.000 Zuschauern, die nach dem dritten Fehlpass im wahrsten Sinne des Wortes aufs Spiel pfeifen.
Willi Neuberger kam im November der Vorrunde der Saison 74/75 zu uns, nachdem er bei Wuppertal noch eine Sperre für die einzige rote Karte seiner Karriere abgesessen hat. Na, wo hat er die rote Karte kassiert?
In seinem ersten Spiel für uns hat er gleich ein Tor gemacht, 8 Minuten vor dem Ende das 5:3 gegen den VFB Stuttgart. Das Spiel ging dann noch 5:5 aus und war das letzte Spiel unseres fliegenden Zahnarztes bis Wienhold sich auf dem Bökelberg einen Beinbruch zuzog, wo Willi uns kurz danach noch mit 1:0 in Führung brachte (das Spiel ging aber 2:4 verloren...)
Beim legendären 6:0 gegen die Bayern hat der Willi natürlich ebenso getroffen, (zum 5:0 in der 45. Minute, danach kam "nur" noch Nickels direkt verwandelter Eckball) wie bei dem höchsten Auswärtssieg unserer Bundesligageschichte, beim 8:1 in Essen. RWE ist übrigens eine sympathische Truppe: Gegen uns haben die ihre höchsten Niederlagen auswärts und zu Hause in der Liga kassiert und nun ratet mal, gegen wen RWE selbst die höchsten Siege eingefahren hat, auswärts und zu Hause?
In der Europacupsaison 80/81 spielte Willi noch einmal eine der Hauptrollen gegen Utrecht und gegen Sochaux.
Utrecht brachte er im Rückspiel im Waldstadion durch ein Eigentor in Führung. Nach der Halbzeit wurde der im UEFA-Cup-Finalhinspiel in Gladbach verletzte Schädel-Harry eingewechselt und traf sofort zum Ausgleich. (Damals und bei Grabis Abschiedsspiel dachten wir Harry kommt wieder auf die Beine...)
5 Minuten zu früh machte der Schiri dem Spiel ein vorzeitiges Ende, weil er sich auf die Stadionuhr verließ. Aus ungeklärtem Grund sprang die statt einer Minute fünf auf einmal weiter, der Schiri dachte, das Spiel ist aus und pfiff ab.
Im Achtelfinale (vor 15.000 Zuschauern! http://www.eintracht-archiv.de/1980/1980-11-26st.html) gegen Sochaux brachte uns Willi nach 2 Minuten in Front und die Adler brannten ein ähnliches Feuerwerk ab wie in der Vorsaison gegen Rotterdam. Nach einer Stunde lagen wir mit 4:0 vorne. Nach etwas mehr als 70 Minuten läuft Willi alleine aufs französische Tor zu, schießt ... und trifft den Pfosten. Im Gegenzug treffen die Franzosen zum 1:4 und legen kurz vor dem Ende noch eines nach.
Im Rückspiel lagen wir dann zur Halbzeit schon 0:2 hinten und das war es dann für den Cup-Verteidiger...
Willi hat im Sommer darauf das 1:0 im Pokalfinale gegen Lautern gemacht, ein wunderschönes Tor, nachdem Dr. Hammer bei seinem Freistoß kurz vorher einen Lauterer angeknockt hatte. Dass Willi damals schon 36 Lenze auf dem Buckel hatte, habe ich erst eben beim Nachschauen bemerkt. Ich habe ihn einfach nicht "alt" in Erinnerung, dabei kam er erst mit Ende 20 zu uns...
Willi beendete seine Laufbahn 1983 als damaliger Bundesliga-Rekordspieler (520 Einsätze) und war anschließend 2 Jahre Co-Trainer bei der Eintracht. Aus dem (Unter)fränkischen können eben auch echte Adler kommen.
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