Sonntag, 10. Februar 2008

Chrismania


An dieser Stelle sei zuerst angemerkt, dass ich den Anhängern des "
Feninismus", die ich zuerst im Forum auf eintracht.de angetroffen habe, auf keinen Fall zu nahe treten möchte.

Der Namensgeber dieser Bewegung überzeugt mich wie die naheliegende und dennoch geniale Wortschöpfung, die wie der bemerkenswert bescheidene Fenin meine Sympathie hat.

Dass sich mittlerweile andere dieses Begriffes bedienen (Klick hier und hier), die bei ihren eigenen Sprachkreationen selten über Sushi-Bomber oder Griechen-Godzilla hinaus kommen, kann an meiner Achtung des "Feninismus" nicht rütteln. Niemand kann sich aussuchen, wer bei ihm zum Klauen kommt.

Mit meinen beiden Blogeinträgen heute starte ich nur den zarten Versuch, die Scheinwerfer auf zwei andere Spieler zu lenken, die sich mit ihren Leistungen in den letzten Monaten in meinen Augen ebenso unsere Aufmerksamkeit verdient haben: Chris und Patrick Ochs.

Der Titel dieses Blogeintrags soll nicht etwa der untaugliche Versuch sein, mit dem "Feninismus" sprachlich Schritt halten zu können. Er soll nur verdeutlichen, welche Reaktion ich angesichts der Leistungen und der Bedeutung von Chris für das Spiel der Eintracht für in etwa angemessen halte.

Stefan hat in seinem Blog-G
diese Bedeutung übrigens längst erkannt und Chris zum Liebling der Woche gekürt. Mit was? Mit Recht natürlich!

Chris ist das lange und schmerzlich vermisste Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff, der Mann, dem das Umschalten von Defen- auf Offensive mühelos und deswegen ohne Zeitverlust gelingt.

Wie lange hat diese Mannschaft darunter gelitten, dass ihr ein spielstarker "6er" fehlt, ein Akteur wie früher Falkenmayer,
der das Spiel des Gegners im Ansatz erkennt als wäre es seinem eigenen Kopf entsprungen und der mit seinem Stellungsspiel und seiner Zweikampfstärke die Räume eng und dem Gegner das Leben schwer macht, während er jede Gelegenheit nutzt, bei Ballgewinn das Spiel der eigenen Elf schnell in die richtige Richtung zu leiten.

Das beste Beispiel für diese Talente von Chris war der Frankfurter Führungstreffer am Freitag Abend.
Eben noch wird der Angriff der Arminia im Frankfurter Strafraum abgewehrt und der Ball lang herausgeschlagen, da taucht Chris schon kurz vor der Mittellinie auf, um den Kopfball eines Arminen aufzunehmen, der das Leder in die Hälfte der Eintracht zurück köpft. Chris widersteht der Versuchung vieler ballverliebter Techniker das Spielgerät anzunehmen, um mit dem Ball am Fuß einige Meter zu laufen, sondern leitet ihn Volley auf Fenin weiter. Dieser Entscheidung und dieser Aktion verdankt die Eintracht den Zeitvorsprung, den sie bis zum Tor durch Amanatidis nicht mehr abgibt und der die Bielefelder gegen den Doppelpass von Fenin mit Fink ebenso zu spät kommen lässt wie bei Fenins traumhaftem Abspiel auf Ochs.

Bereits bei Fenins Abspiel jubiliere ich laut, dass jetzt das Tor fällt. Ich bin mir sicher, dass sich Ochs diese Freiheit am rechten Flügel ebenso wenig nehmen lässt wie Amanatidis eine solche Chance beim Stande von 0:0. So wie ich mir gegen Berlin trotz Fenins missglückter Ballmitnahme lauthals sicher war, dass er gleich das 2:0 schießen würde. Qualität setzt sich nicht nur durch, man kann sie auch erkennen.

Die Eintracht wurde in der Bundesliga bereits für ihr Konterspiel gefürchtet. Mit Chris im defensiven Mittelfeld sollte die Furcht bei unseren Gegnern noch größer geworden sein.

Allein, die Furcht wird ihnen nichts nützen, denn sie kann sie nicht schützen. Wer wie Bielefeld mit zwei dichten Abwehrriegeln bis auf Chris Chance in der 24. Minute kaum etwas zulässt, aber bei dem ersten halbwegs ernsthaften Versuch selbst zu einer Chance zu kommen, in des Gegners Stadion beim Stande von 0:0 so ausgekontert wird, kann sich am Ende nur damit trösten, dass er nicht die verdiente Packung erhalten hat, weil die Eintracht dieses Niveau nicht über ein ganzes Spiel halten kann. Noch nicht.

Noch hat die Eintracht Konzentrationsmängel wie Galindo bei Zumas Kopfball kurz nach dem 2:0 und noch fällt sie wie nach Weissenbergers Pfostentreffer - selbst für Trainer Funkel - unerklärlicherweise in ein überholtes Verhaltensmuster zurück, das die Elf ohne Druck des Gegners tief in die eigene Hälfte verbannt.

Bei einer Fortsetzung des schnellen, technisch anspruchsvollen Kurzpassspiels wäre eine überforderte Arminia böse unter die Räder gekommen. So kamen die Gäste am Ende nach ihrem Abseitstor noch einmal etwas auf, ohne allerdings dem Ausgleich wirklich nahe zu kommen. Das war der Schwäche der Arminia geschuldet, aber auch der Stärke der Frankfurter Abwehr, die immerhin in der Schlussphase den verletzungsbedingten Ausfall von Kyrgiakos und Ochs wegstecken musste.

Kyrgiakos, der von Russ auch wesentlich länger als nur ein paar Minuten ersetzt werden kann, und Ochs, den ich im Allgemeinen von Mahdavikia nur im Notfall vertreten wissen möchte, wünsche ich gute Besserung.

Gute Gesundheit wünsche ich weiterhin Chris. Das liegt übrigens nicht daran,
dass die Eintracht seit seinem Comeback am 12. Spieltag nur noch ein Spiel in der Bundesliga verloren hat. Ich mag auf Chris nicht mehr verzichten. Das mussten wir viel zu lange.


4 Kommentare:

Goyschak hat gesagt…

Er ist halt der Chrisias. ;-)

EdiG hat gesagt…

Wieder klasse geschrieben, ich bin versucht vom Feninismus zum Christentum zu konvertieren. :-D

Kid Klappergass hat gesagt…

Morsche edig,

Du musst nicht konvertieren:
In Frankfurt leben die "Religionen" in Eintracht nebeneinander. :-)

EdiG hat gesagt…

Stimmt schon, aber ich kann mich nicht erinnern in 40 Jahren Eintracht so viele "istmen" paralell erlebt zu haben.
M/L, Feninismus, etc...
Mir fällt im Moment nur ein Lied der kölner Kultgruppe Paveier ein.
*sing* "Schön ist das Leben, scheissegal wie alt wir sinn, wir sinn immer mittendrin...."
Und egal wie lange das anhält es ist einfach nur schööööööööööööön

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