Sonntag, 10. Februar 2008
Die Ochs(en)tour
Nichts gegen den "Feninismus", im Gegenteil, er kommt mir wie sein Protagonist alles andere als unrecht. Dennoch mag ich auch nach den ersten beiden erfolgreichen Pflichtspielen der Eintracht im Jahr 2008, in denen Martin Fenin vier Tore erzielen konnte, die Wirkung anderer wichtiger Spieler nicht unterbewerten.
Fenin mag verständlicherweise im "Focus" sein, doch andere Akteure haben es ebenso verdient im Mittelpunkt zu stehen wie der junge und talentierte Stürmer, der erst kurze Zeit am Main weilt.
Neben Chris meine ich damit vor allen Dingen Patrick Ochs, den ich in meinem Blogeintrag vom 7. Dezember 2007 "Auf dem Weg zum Führungsspieler" gesehen habe.
Nun sind Führungsspieler nicht immer zwingend die, die durch herausragende spielerische Einfälle glänzen, sondern auch die, die man früher vielleicht abwertend "Wasserträger" genannt hätte.
Führungsspieler können auch die sein, die Arbeiten erledigen, für die andere weniger oder nicht geeignet sind. Ein Kapitän muss auf der Brücke sein, einen Führungsspieler kann man aber auch im Maschinenraum antreffen, dort wo es weh tut, heiß her geht und schmutzig ist.
Schmutzig ist das Stichwort, denn der deutsche Titel des Buches, das der "dirty old man" Charles Bukowski über seine 78er Europareisen schrieb, gibt diesem Blogeintrag dem Titel: "Die Ochsentour".
Bukowski war für mich in den Siebzigern der Rock´n´Roller unter den Schriftstellern, der sich nicht Seitenweise in der Beschreibung eines Ortes erging, sondern das Leben auf den Punkt brachte. Dort auf den Punkt brachte, wo es passierte, so wie Dashiell Hammett, der laut dem von mir geschätzten Raymond Chandler "den Mord den Leuten zurück (gab), die Grund haben zu morden, und nicht nur da sind, um eine Leiche zu liefern.".
Im Original nennt sich Bukowskis Ochsentour "Shakespeare never did this". Bukowski meinte wohl, dass Shakespeare diese mühsame Arbeit nie auf sich nehmen musste, zu Patricks "Ochsentouren" auf der rechten Außenbahn sind dagegen nur wenige imstande.
Ich bewundere die Kampfkraft und die Energie, mit der Patrick Ochs, die rechte Seite im Spiel der Frankfurter Eintracht hinten dicht macht, in dem er sich in seine Gegenspieler förmlich verbeißt und nach vorne immer wieder die Gelegenheit findet, sich ebenso kraftgeladen seinen Weg zu bahnen, ohne sich aufhalten oder von misslungenen Flanken entmutigen zu lassen.
Das 1:0 gegen Bielefeld ist ein ausgezeichnetes Beispiel. Zwei Mal hatte sich die Eintracht vorher auf der rechten Seite erfolgversprechend und - bemerkenswert genug - im wahrsten Sinne des Wortes durchgespielt und zwei Mal waren Patrick die Flanken nicht wie gewünscht geglückt. Ärgerlich, denn allzu oft bot sich diese Gelegenheit gegen zwei dichte Bielefelder Abwehrriegel nicht.
Am Führungstreffer war dann jedoch Ochs beteiligt und das ist, wenn man sich die Szene in Ruhe ansieht, ebenfalls bemerkenswert. Der Angriff der Arminia wird im Frankfurter Strafraum abgewehrt, der Ball wird lang herausgeschlagen und von einem Arminen kurz hinter der Mittellinie einige Meter zurück geköpft. Dort nimmt Chris den Ball nicht an, sondern leitet ihn Volley auf Fenin weiter. Fenin spielt einen Doppelpass mit Fink und passt den Ball dann wunderbar in den freien Raum auf den rechten Flügel. Fenins Aktion verdiente eine eigene Würdigung, weil sie eine neue Qualität in das Spiel der Eintracht bringt.
Doch ich möchte das Augenmerk auf Ochs lenken und fragen, wie der Rotschopf diese Aktion von Chris, Fink und Fenin, die sich in wenigen Sekunden abgespielt hat, erkennen konnte, denn nun ist der rechte Außerverteidiger, der eben noch in der Defensive zu finden war, der rechte Außenstürmer der Eintracht! Und als dieser setzt er den finalen Pass auf Amanatidis mit einer Präzision, die den Uwe Bein Gedächtnis-Preis verdient. Amanatidis´ kaltblütig und entschlossen erzielter Treffer ist der würdige Schlusspunkt dieses herrlichen Angriffs.
Hätte in der zweiten Halbzeit nicht eine Bielefelder Schuhspitze den nächsten präzisen Pass von Ochs auf Weissenberger empfindlich gestört, Weissenbergers Schuss wäre wohl nicht am rechten Pfosten gelandet und Ochs hätte seine zweite Torvorbereitung an diesem Tag feiern können.
Doch ob Ochs nur eine Torvorlage gelingt oder auch mal keine, für mich steht fest: Auf Patricks "Ochsentouren" kann Eintracht Frankfurt nicht verzichten und für mich sind sie Höhepunkte eines jeden Spiels.
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4 Kommentare:
Gude Rüdiger,
der Uwe Bein - Gedächtnispass war übrigens sowohl perfekt getimt als auch technisch vom Feinsten: aus dem Lauf heraus so stark angeschnitten (ich glaube, mit dem Innenrist), dass er einen deutlichen Bogen beschrieb, auf diese Weise einem herbeieilenden B'felder auswich und sich am Ende punktgenau zum Adressaten hin drehte. O(chs)lala ...
Grüße gen Norden,
AK/Matthias
Patrick Ochs ist meiner Meinung nach nicht nur einer Spieler, auf die die Eintracht nicht verzichten kann, es ist auchnoch ein Spielertyp von dem man in der Bundesliga viel zu wenige hat: eine Schreckgestalt.
Angsteinflößend im Zweikampf aber schon mit guter Spielantizipation die Szenen wie die am Freitag belegt. Einen von der Veranlagung ähnlichen Spieler sehe ich in der BL nur im liebevoll als Kampfschwein betitelten Gerald Asamoah. Ochs steht für mich ganz klar für den Kampf, das Arbeiten und die Mühen die die Diva auf sich nehmen muss um mit Spielern wie Chris, Fenin oder Alex Maier (zu seinen besten Zeiten) glänzen zu können.
Ich bin selbst auch großer Anhänger Ochs' Spielweise. Und zudem habe ich das Gefühl, dass der Junge in dieser Saison einen unheimlichen Sprung gemacht hat. Bissig und ehrgeizig war er schon immer, dass er aber inzwischen ziemlich ballsicher und abgeklärt geworden ist, scheint mir eine recht junge Entwicklung zu sein. Auf jeden Fall ist er der einzige Adler, den man meines Erachtens in absehbarer Zeit im Nationaltrikot sehen wird. Zumal dort rechts hinten ein fast schon traditionelles Vakuum zu beobachten ist.
Patrick Ochs ist ein kampfschwein unbenommen, er kann geniale flanken schlagen unbenommen solange diese genialität sich allerdings nur bei einer von zehn flanken zeigt und solange seine kämpferische einstellung doch auch immer wieder zu einem ungestümen einsteigen in straumnähe führt wird der nach benjamin köhler der spieler bleiben der mich am meisten nerven kostet. aber dennoch tragen beide den adler auf der brust und ihnen gilt meine uneingeschränkte unterstützung
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