Donnerstag, 27. März 2008

K.u.K. im Eintracht Frankfurt Museum


Ja, guck, der Kid schreibt einen Blogeintrag mit dem Titel "K.u.K". Aber was hat denn kaiserlich und königlich mit der Eintracht zu tun? Nichts, obwohl der Kaiser von Österreich und König von Ungarn im Staatswappen einen Doppeladler führte.

Mit K.u.K sind Joachim Kreck und Dr. Peter Kunter gemeint, die heute Abend ab 20.00 Uhr zu einem Kurzfilmabend im Eintracht Frankfurt Museum sein werden. Drei Werke des Wiesbadener Filmemachers Joachim Kreck werden gezeigt: Einsatz aus besonderem Anlass (1987), Fußballspiele (1976) und No 1 (1973).

Zwei dieser drei Filme haben es mir besonders angetan, obwohl es über 30 Jahre her ist, dass ich sie das erste Mal gesehen habe. "Fußballspiele" ist nicht weniger als ein Kunstwerk, das Joachim Kreck aus Szenen von Eintracht-Spielen und mit der idealen musikalischen Untermalung durch den leider am 14.6.2003 verstorbenen Jazzgitarristen Volker Kriegel geschaffen hat. Ein Leckerbissen für Cineasten und für Fußballästheten.

Über den Kurzfilm No 1 brauche ich nicht viele Worte zu verlieren: Die Studie aus dem Jahr 1973 über den damaligen Eintracht-Torhüter Dr. Kunter wurde mit Preisen ausgezeichnet und ist nicht nur für Eintrachtfans legendär. Die Filmmusik stammt auch hier von Volker Kriegel.

Eine Warnung an dieser Stelle: Der Beginn des Kurzfilms zeigt eine Szene, für die man sich vorher gestärkt haben sollte, und damit meine ich nicht die Frisur von Horst Heese, die dieser nach dem Gegentor wieder richtet.

Genau Hinschauen sollten die Älteren bei den Aufnahmen der anreisenden Fans zum Derby beim Vizemeister von 1959. Der eine oder andere wird sich vielleicht sogar wieder erkennen. Gelle, Klaus?

Durch den Abend führt der erfahrene Moderator Horst Reber, der sich in den 70er und 80er Jahren in Frankfurt einen Namen als Boulevardjournalist gemacht hat. Reber, der in den 90ern für einen Erst- und zwei Zweitligisten als PR- und Marketingmanager tätig war, hat heute sein eigenes Pressebüro. Unvergessen ist seine Talkshow „A/N-Gespräch am Abend“ im Hotel Kempinski Gravenbruch, bei der einst auch Dietrich Weise und Jürgen Grabowski zu Gast waren.

Besonders freue ich mich aber auf Dr. Peter Kunter, der nach Meinung einiger Fans, die ich schätze, zusammen mit dem Schlussmann der Meisterelf von 1959, Egon Loy, und mit Uli Stein zu den besten Keepern gehört, die für die Eintracht nach dem zweiten Weltkrieg das Tor gehütet haben.
Für die Rettung der Eintracht in der Saison 70/71 werden immer die beiden Torschützen des 33. Spieltages Bernd Nickel (Scherenschlag) und Bernd Hölzenbein (Flugkopfball) genannt. Vergessen wird oft, wer bei diesem 2:0-Sieg gegen den Vizemeister von 1959 kein Gegentor zuließ und auch in der gesamten Saison famose Leistungen zeigte: Dr. Kunter.

Dr. Kunter war aber nicht nur ein herausragender Torhüter, sondern auch ein außergewöhnlicher Sportsmann. Als Günter Wienhold ihn wegen eines Fingerbruchs im November 1973 hervorragend vertritt, freut er sich über die fehlerlose Leistung seines Kontrahenten: „Besser als Günter kann man gar nicht halten.

Als Dr. Kunter am 16.11.1974 im Waldstadion beim 5:5 gegen den VfB Stuttgart eine ausgesprochen schlechte Figur machte, wie er selbst fand, ging er zu seinem Trainer Dietrich Weise und teilte ihm mit: "Trainer, von meinem Einsatz haben wir doch beide nichts. Wenn ich noch eine krumme Sache mache, pfeifen die mich hier bedingungslos aus. Wienhold hat lange genug gewartet."

Das Spiel gegen den VfB war damit die vorerst letzte Partie unseres "fliegenden" Zahnarztes, der im Dezember 1969 promoviert hatte. Im Bild rechts fühlt er seinem Mitspieler und Mannschaftskapitän Jürgen Grabowski auf den Zahn, mit dem er später als Funktionär über den "Trainertausch" Lorant/Cramer heftig aneinander geraten sollte.

Dr. Kunter wollte nach der Saison 1974/75 seine Karriere beenden, entschied sich wegen seines Trainers jedoch anders: "Das letzte Jahr habe ich nur noch dem Weise zuliebe gemacht."

Am 13.3.1976 zwang die schwere Verletzung Wienholds beim Spiel in Mönchengladbach Dr. Kunter wieder in das Tor der Eintracht. Beim 5:1 gegen Hannover 96 am 20.3.1976 sorgte Dr. Kunter dann mit einer eigenen Verletzung für den Einsatz eines sehr jungen Mannes: Jürgen Friedl.

Friedl, damals erst 17 Jahre und 26 Tage alt, wurde in der 64. Minute beim Stande von 4:0 für den verletzten Dr. Kunter eingewechselt. Jürgen "Fuzzy" Friedl war damit der jüngste Spieler, der bis dahin in der Bundesliga eingesetzt worden war. Möglich wurde sein frühes Bundesligadebüt nicht nur durch Dr. Kunters Verletzung, sondern auch durch den DFB. Dieser nämlich hatte Friedl zu früh und damit fälschlicherweise die Spielgenehmigung erteilt. Das stellte der Verband jedoch erst nach dem Spiel gegen Hannover fest.

Dr. Kunter beendete seine Karriere mit einem 2:2 gegen Köln am 31. Spieltag der Saison 1975/76. Mit einer Sondergenehmigung des DFB verpflichtete die Eintracht danach Jupp Koitka, der in den letzten drei Punktspielen das Tor der Adler hütete.

Dr. Kunter blieb der Eintracht natürlich treu und über die Jahre in verschiedenen Funktionen erhalten. Zwischen 1977 und 1979 war er Vizepräsident und von 2001 bis 2005 Mitglied im Verwaltungsrat des Vereins.

Am 27.11.2007 stand Dr. Kunter zusammen mit dem "Brasilianer" Wolfgang Solz und der Seele des Vereins Kurt E. Schmidt, dem ich unbedingt mal einen eigenen Blogeintrag widmen muss, ganz in meiner Nähe und damit dort, wo ihr Platz ist: im Herzen Europas, bei der Eröffnungsfeier des Eintracht Frankfurt Museums.

Heute Abend wird Dr. Kunter wieder dort und ich nicht weit sein.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Eine kleine Erinnerung zu Volker Kriegel: Ende der siebziger sah ich einmal im hr-Fernsehen eine ungewöhnliche Sendung, ohne festes Thema, mit Gängen der Kamera durch das ganze Funkhaus und diversen Haltepunkten, von denen aus dann eine gewisse Zeit Programm gemacht wurde - so in der Art einer live übertragenen Party.In einer Ecke saß Volker Kriegel und spielte dann ein Lied, von dem er sagte, es sei der Eintracht gewidmet:
" Second Half Conter ".
Vielleicht findet eines Tages jemand die Aufnahme wieder.Gruß aus OWL.

Anonym hat gesagt…

Kriegel war wirklich gut.

Horst Reber. Naja, da schweigt des Sängers Höflicheit.

Btw, ich warte auf die Unterlagen für den nächsten Spielbericht.

LG Uli

Frank hat gesagt…

Eine kleine Erinnerung an Peter Kunter: Als er noch in Wetzlar spielte, empfahl ihm Helmut Schön, "Stürmer zu bleiben", um "die Reaktionsfähigkeit weiter zu steigern".

Ich habe den entsprechenden kleinen Bericht aus dem Sport-Magazin mal online gestellt:

www.eintracht-archiv.de/kunter.html

(ganz unne uff de Seid)

Bis heute Abend

Frank

Kid Klappergass hat gesagt…

Morsche Andreas,

diese Aufnahme zu finden, wäre doch ein schöner Fall für das Eintracht Frankfurt Museum, also für Matze. Ich werde ihm heute Abend mal einen Hinweis geben.


Morsche Uli,

vielen Dank für das "Schweigen des höflichen Sängers". Ich weiß es an dieser Stelle zu schätzen. :-)

Das hier: Klick
finde ich aber auch bemerkenswert.


Morsche Frank,

ich setze mal den direkten Link zu dem Artikel im Eintracht-Archiv:

Klickt hier.


Gruß,
Kid

Anonym hat gesagt…

Während ich diese Zeilen schreibe, steht ihr alle im Museum beisammen, (er)lebt und atmet ein weiteres Stück Eintracht.

Ich beneide euch darum.

Ich bin sicher, ihr habt euren Spaß, auch dann wenn im Dr.Kunter-Film ein langhaariger und stark pubertierender Eintrachtler behängt wie ein Christbaum Richtung nachbarschaftliches "Feindesland" marschiert.

Those were the days...

Die Haarpracht ist Geschichte wie vieles andere auch, immerhin ist der junge Mann, wenn auch noch immer zeitweise pubertierend, Eintrachtler geblieben...;-)

Mein Dank geht diesmal an Frank und seinen Hinweis auf den Zeitungsartikel und die mehr als interessante Entwicklungsgeschichte, die unser Peter Kunter in jungen Jahren nahm und die ich bis jetzt gar nicht kannte. Frank, da hast Du ein richtiges Kleinod an Land gezogen!

Geschichte wird um so schöner, wenn sie plötzlich und unvermutet mit Neuigkeiten daher kommt!

Dr.Kunter ist auch einer meiner persönlichen Lieblings-Torhüter, ich bin ja als Fan quasi mit ihm aufgewachsen, und es war damals garnicht vorstellbar, eine Eintracht-Mannschaft ohne ihn auflaufen zu sehen.

Trotz seiner etwas -auch durch die kräftigen Oberschenkel- gedrungen wirkenden Gestalt war er, auch objektiv gesehen, ein ganz Großer - sehr fangsicher, ruhig, mit erstklassigem Reaktionsvermögen und Stellungsspiel. Er hatte einen sehr eigenen, typischen, sehr runden Bewegungsablauf - wenn er in die Ecken abtauchte genauso wie beim Abwerfen des Balles. Das hat sich bei mir "eingebrannt."

Ein gutes Stück Eintracht, kaum weg zu denken.

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