Dienstag, 6. Januar 2009

Einmal Hölle und zurück


Die Verletztenliste der Eintracht wird langsam wieder etwas überschaubarer: Oka Nikolov soll im Februar wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen ("Bild", 24.12.2008), bei Ioannis Amanatidis und Christoph Spycher wird sich die Gesundung zwar womöglich "noch bis April hinziehen", aber: "Es sieht für die Spielführer gut aus. Beide liegen voll im Plan, beide belasten das Knie schon wieder maßvoll - bisher hat das sensible Gelenk keine nennenswerte Reaktion gezeigt, auch die Kernspintomografieaufnahmen machen Mut." Und "Chris wird nach seiner Schulteroperation schon morgen mit ins Trainingslager nach Vale do Lobo in Portugal fliegen und soll schon beim Rückrundenauftakt in Berlin nach Möglichkeit wieder zur ersten Elf zählen". (FR, 6.1.2009) Ümit Korkmaz hat zumindest "wieder mit dem Lauftraining" beginnen können und hofft auf einen Einsatz als Einwechselspieler beim Rückrundenauftakt in Berlin. (hr-online, 6.1.2009)

Zlatan Bajramoic und Alexander Meier, den ich meinen Caio nenne, ohne dem echten Caio damit etwas Böses zu wollen, sind seit dem 2.1.2009 ebenfalls zurück im Mannschaftstraining. Der vor dem Ligastart verletzte Alexander Krük feierte bereits am 21. November 2008 sein Pflichtspieldebüt für die Eintracht bei der Regionalligapartie unserer U23 gegen die des KSC. Am 16. Spieltag kam er gegen Bochum sogar zu seinem, wenn auch arg kurzen, ersten Bundesligaeinsatz.

Last, but not least hat "Alexandar Vasoski (29), der im Sommer durch zwei Lungenoperationen zurückgeworfen wurde und die komplette Hinrunde ausfiel" (kicker, 5.1.2009), sein Comeback bei den Hallenturnieren in Frankfurt und in Halle gefeiert, wo er sogar zwei Tore erzielte. Ich kann und will es nicht verschweigen: Über Meiers und Vasoskis Rückkehr freue ich mich besonders.

Vor dem Trainingsauftakt zu der aktuellen Saison bekam Aleksandar Vasoski eine Zyste an der Lunge entfernt bekommt und es wurde schnell darüber spekuliert, wann und "ob er seine Karriere fortsetzen kann". (FR, 1.7.2008) Mir stieß unangenehm auf, wie schnell Vasoskis Leistungen und Verdienste vergessen schienen. Vasoski hätte sich über eine Begeisterung, wie sie bei der Verpflichtung Habib Bellaïds herrschte, bei seinem Wechsel nach Frankfurt sicher gefreut. Vielleicht war Aleks dafür einfach nicht teuer genug, vermuete ich schon am 6. Juli 2008 in meinem Eintrag "Rote Lippen soll man küssen".

Abgeschrieben oder vergessen und doch zurückgekehrt, vielleicht macht Christoph Preuß, dem ich weiterhin fest die Daumen drücke, der jedoch frühestens in der nächsten Saison zu einem neuen Versuch kommt, Vasoskis Geschichte Mut. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, Christoph bleibt "auf meiner Rechnung".

Die Liste der Verletzungen, die Christoph Preuß seit seiner zweiten Rückkehr zur Eintracht im Sommer 2005 erlitten hat, dürften die meisten Fußballer am Ende einer langen Karriere nicht vorzuweisen haben: Nasenbeinbruch, Operation des Sprunggelenkes, Bandscheibenvorfall, Oberschenkel-Fleischwunde und Knorpelschaden im Knie. Aber Christoph Preuß steht nicht am Ende einer langen Karriere: er wurde am 4. Juli 2008 27 Jahre alt.

Wie wird er diesen Geburtstag erlebt haben? Ist er wenigstens für wenige Momente die Last los geworden, die er in diesen Monaten tragen muss? Wie feiert ein junger Fußballprofi und Familienvater, der sich wegen einer bevorstehenden, erneuten Knieoperation aufgrund eines Knorpelschadens Gedanken machen muss? Wie empfindet er, wenn öffentlich in Foren nicht nur über seine Comebackaussichten spekuliert wird, sondern ihn einige Fans bereits abgeschrieben haben oder einen "leistungssportuntauglichen Körper" unterstellen? Ich weiß es nicht, und es geht mich auch nichts an, aber ich wünschte mir manch einer würde sich nur eine dieser Fragen stellen, bevor er im Internet herumkritzelt.

Auf Thomas Kilchensteins Frage, ob Preuß glaube, wieder so Fußball spielen zu können wie früher, hat Christoph im Juli 2008 geantwortet: "Ich glaube ja. Ich habe keine Veranlassung, daran zu zweifeln. Und wenn ich zurückkomme, werde ich gestärkt zurückkommen." "Wie das?", wollte Kilchenstein darauf wissen und die Antwort lautete: "Ich werde durch die Hölle gegangen sein. Das macht mich stark." (FR, 5.7.2208)

Am 30. Juli 2008 schrieb ich in dieses Blog: Komm zurück, Christoph, und wir teilen uns mit Inbrunst die beiden Fragen aus dem Korinther-Brief der Bibel - die erste ist für mich, die zweite für dich: "Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?"

Der Tod hat mir im letzten Jahr am 29. Oktober und am 7. Dezember seinen Stachel gezeigt - ich fürchte ihn für mich nun noch weniger als zuvor. Auch die Hölle wird nur siegen, wenn wir es zulassen.

Du kommst zurück, Christoph, hoffentlich gesund, aber in jedem Fall stärker als zuvor. So oder so werde ich Dich nicht vergessen - ich halte mein Versprechen.




(Das Foto von Christoph Preuß' Schuh, mit dem er den 1:0-Siegtreffer gegen Bayern München erzielt hat, habe ich im Eintracht Frankfurt Museum gemacht. Danke, Pia, für Deine Unterstützung!)

9 Kommentare:

UK hat gesagt…

"Ich werde durch die Hölle gegangen sein. Das macht mich stark."

Ich weiss wovon dieser Mann spricht. Ich weiss es. Ich wünsche ihm viel Glück dabei, das braucht er. Aber ich zweifele auch nicht an ihm.

Wenn bekannt wird, wann und wo Preuss wieder spielen wird, selbst wenn er nur für den Kader nominiert wird, werde ich das Stadion aufsuchen, egal wo, und wenn ich meine Hochzeit verschieben muss.

Habe ich Dir schon ein frohes neues Jahr gewünscht? Es kommt direkt aus meinem schwarz-roten Herzen.

Uwe

Kid Klappergass hat gesagt…

Uwe, da wäre ich auch dabei, was keine Leistung ist, weil ich es zum Waldstadion nicht so weit habe wie du.

Christoph Preuß hätte es verdient, dass alle Zuschauer aufstehen, ihm applaudieren und mit Sprechchören feiern, weit mehr verdient als jener Spieler, dem diese Ehre einst zu Teil wurde, ohne dass er sich ihrer bewusst geworden wäre. Für den einen ist es eben nur ein "Thrill" von anonymen Massen gefeiert zu werden, für den anderen ist es mehr, viel mehr, auch weil diese Masse für ihn keine anonyme ist.

Alles Gute auch für Dich,
Kid

HeinzGründel hat gesagt…

Sehr schöner Beitrag .

Kid Klappergass hat gesagt…

Danke, Uli.

Christoph Preuß hat gesagt…

WOW...dieser Blogeintrag geht unter die Haut!!! Sowas tut gut.

Gruß aus der Reha
CP

Kid Klappergass hat gesagt…

Das hatte ich gehofft, Christoph.

Du kommst zurück!

Gruß
Rüdiger

Andreas hat gesagt…

"Der neue Sammer" hiess es einst...
Christoph, Du kommst zurück und viele werden sich noch wundern und wir uns mit Dir freuen!

Gruss aus Fernwald,
Andreas

Anonym hat gesagt…

ich habe immernoch deine Autogrammkarte an der Wand hängen (neben Schur) und hoffe wirklich dass wir dich wieder im Eintracht Trikot sehen werden. In deinem zweiten oder dritten Spiel für uns hast du mal so einen geilen Trick im Mittelfeld gemacht, seitdem bin ich Fan!!!

Theresa hat gesagt…

Ich habe auch immernoch meine Autogrammkarten im Zimmer stehen, und werfe täglich einen Blick drauf und hoffe einfach, dass wir ihn so schnell wie möglich wieder im Eintracht-Trikot sehen werden!

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