Donnerstag, 28. Mai 2009

Unsympathen und Amokläufer


Namen kommen und gehen in der Sommerpause, doch einer davon könnte sich halten, bis es zu einer Verpflichtung kommt: Maik Franz. Das ist prima, weil über Franz auch nach einem Wechsel zur Eintracht munter weiter diskutiert werden darf. Der Mann hat das, was die Bayern so populär macht: er spaltet.

Je nach Lesart sah der scheidende Trainer der Eintracht im September 2008 vor dem geplanten Spiel gegen den KSC in Maik Franz entweder einen "fantastischen Mensch - außerhalb des Platzes" ("Bild") oder "privat (als) ein feiner Kerl", der sich "als Kapitän (..) wohl auch ein bisschen was zu Herzen genommen" hat. (FNP, 10.9.2008)

Ioannis Amanatidis hatte - allerdings direkt nach dem Spiel in Karlsruhe am 15. März 2008 und entsprechend aufgeheizt - eine etwas andere Sicht der Dinge: "Die Leute kommen ins Stadion, um guten Fußball zu sehen, aber Franz macht den Fußball nur kaputt." Besonders die ständigen verbalen Attacken hatten Amanatidis wütend gemacht. "Ich weiß nicht, was er im Kopf hat, aber viel kann es nicht sein." (FNP, 10.9.2008) Mario Gomez hatte schon vor Amanatidis nach einem Duell mit Franz Ordnung in sein Gefühlsleben gebracht und es ebenfalls an deutlichen Worten nicht fehlen lassen: "Normalerweise respektiere ich im Fußball jeden Gegenspieler. Aber dieses Arschloch... Er ist einfach ein unfairer Sportsmann. Er spielt unfair, das ist ligaweit bekannt, und er wird auch noch von den Schiedsrichtern geschützt. Das verstehe ich nicht."



Franz konterte: "Er (Gomez) ist ein guter Fußballer, aber alles andere ist vielleicht noch verbesserungswürdig. Ich will mich nicht auf das Niveau herablassen." (spox.com, 24.2.2008)



Gegenüber der "Welt" ließ sich Maik Franz dann aber nach den Äußerungen von Amanatidis doch auf ein Interview ein: "Ich bin doch nicht der böse Bube. Klar spiele ich aggressiv, das ist nun mal mein Stil. Ohne den wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin. Aber ich spiele nicht unfair. (..) Auf dem Spielfeld fallen teilweise mal deutliche Worte, da nehme ich mich nicht aus. Aber da bin ich bei Weitem nicht der Einzige. Nehmen Sie den Ioannis Amanatidis ... (..) Zu dem habe ich zu Anfang kein Wort gesagt – ehrlich! Nur, als es später hitziger wurde, sind wir mal aneinander geraten. Aber da war das, was er gesagt hat, keinen Deut besser als das, was ich gesagt habe. Der einzige Unterschied: Ich stelle mich nicht nach dem Spiel hin und jammere im Fernsehen rum. (..) Der (Weissenberger) muss sich gerade melden. Weissenberger hätte Rot sehen müssen, der hat mich mit einem Ellbogencheck umgehauen. Auch Amanatidis hätte fliegen müssen, der hat mir mit voller Wucht in den Knöchel getreten, als der Ball schon lange weg war. In beiden Fällen gab es aber nur Gelb. Da habe ich mich schon gewundert. Der Umstand, dass ich trotzdem nur selten Gelb sehe, spricht doch aber für mich. (..) Ich denke, der KSC hat nicht umsonst mit mir drei Jahre verlängert. Und Wolfsburgs Trainer Felix Magath hat vor kurzem gesagt, einen wie mich könnte er in seiner Mannschaft gut gebrauchen. Das sagt doch alles. (..) Das (den Stil ändern) werde ich genau zu nullkommanull Prozent tun. Warum auch? Ich habe mir nichts zu schulden kommen lassen. Aber vielleicht schreiben die ganzen armen Gegenspieler ja bald mal einen gemeinsamen Brief und beschweren sich beim DFB. Mir ist das völlig schnuppe. Wenn sie wollen, spendiere ich auch gern eine Runde Taschentücher." (welt.de, 16.3.2008)

Er hat ja nicht ganz Unrecht, gerade das Foul von Weissenberger hätte man auch mit einem Platzverweis ahnden können. Aber ich bin ja kein Umfaller, verrate nicht, wer bei diesen beiden Fouls gegen Franz alles gejubelt hat, und bleibe natürlich bei dem, was ich im Oktober 2008 zum Führungstreffer des KSC durch Franz geschrieben habe: "Auch noch Franz, der uns schon in der letzten Saison mit seinem Tor eine Heimniederlage zufügte und der in Frankfurt mit seinem ungeahndeten und hinterhältigen Foul an Mantzios im von der Eintracht gewonnenen Rückspiel einige Freunde fürs Leben gefunden haben dürfte."



Maik Franz ist ein Unsympath auf dem Platz und ich werde seinen "Auftritt" gegen Mantzios nie vergessen. Natürlich nicht. Es sei denn, Franz wechselt zur Eintracht.

Spätestens wenn im ersten Spiel sein Gegenspieler Gift und Galle spuckt, weil er nicht an ihm vorbei kommt, und der Mann zu einer ersten beherzten Kyrgiakos-Gedächtnisgrätsche ansetzt, stehe ich auf meinem Sitz, feuere ihn an und brülle "Eintracht!" So wie ich gebrüllt habe, als ihn Amanatidis und Weissenberger in die Mangel genommen haben. Oder als Werner Lorant zur Eintracht wechselte, der in der Saison zuvor im Saarbrücker Trikot gegen die Eintracht nach Meinung eines Boulevardblattes "Amok" gelaufen war und dem Helmut Müller vorwarf, er habe ihn verletzen wollen. Wenn Maik Franz wirklich zur Eintracht kommen sollte, erzähle ich euch von diesem Spiel.
Was soll ich machen? Ich bin ein einfaches Gemüt. Und Eintrachtfan. Manchmal mache ich auch Ausnahmen, bei Maik Franz sehe ich dazu keine Notwendigkeit. Der Mann hat der Kurve nicht mal den Mittelfinger gezeigt. Obwohl, das hat Thurk ja auch nicht getan, genutzt hat es ihm nichts.

Selbstgestrickte Legenden sind eben nicht totzukriegen. Daniel Meuren faselt in seinem gerade erschienenen Buch über Körbel ja auch von den vor dem letzten Spieltag bereits abgestiegenen Rostockern ...

17 Kommentare:

Frank hat gesagt…

Tja, es gibt sympathische Dreggsäck und unsympathische Dreggsäck. Kyrgiakos war der für mich sympathische Dreggsack, den wir auf dem Platz gebraucht haben. Diese Saison habe ich einen vermisst, der gegnerischen Spielern unzweideutig anzeigt, wer denn im Frankfurter Stadion zuhause ist, dass sich Gäste gefälligst zu benehmen haben und sich bitteschön so verhalten, wie es der Gastgeber wünscht. Ansonsten können sie ja gehen, gelle Diego. Notfalls nehm' ich auch nen Unsympathen, um diese Lücke zu füllen...

Ach ja: Meuren 'faselt' im Körbelbuch noch einiges mehr, etwa von "Lajos Detari, der eine starke Saison spielt". Schade eigentlich, hätte ein gutes Buch werden können. So sieht es nur aus wie ein Buch (na ja, ein wenig aber auch wie ein Frühstücksbrettchen in Kickersfarben).

gereizt hat gesagt…

Ich schließe mich der Meinung meines Kapitäns ;-) uneingeschränkt an. Da kenn ich nix.

Und wenn er denn doch kommt der Herr Franz. Ja, dann feuer ich ihn auch an. Genau wie alle anderen auch. Weil Eintracht. Voll inkonsequent. Ist mir dann aber auch egal, weil Eintracht.

Kid Klappergass hat gesagt…

Ja, Frank, so einen habe ich auch vermisst. Einen, der den Buben aus den anderen Vierteln zeigt, dass das unser Spielplatz ist. So wie Amanatidis gegen den HSV.

Und, Frank, es wird Zeit für eine Buchbesprechung. Ich mache ja jetzt Pause. Ehrlich. Und da käme mir und diesem Blog so ein Gastbeitrag gerade recht. :-)

Thomas, ich würde "meinem Captain" auch nicht widersprechen. Und es auch sonst genau so machen wie du! :-)

Don hat gesagt…

Wir hatten -auch in früheren Jahren-nicht nur Klosterschüler in unseren Reihen. Ich denke da an Peter Blusch,Werner Lorant,Böhme,Sziedat u.v.a.m. Wie sagte Frank: Es gibt sympathische Dreggsäck und unsympathische Dreggsäck. Franz war für mich bisher ein unsympathischer-sagen wir mal - Spieler.Sollte er zu uns kommen-werden wir in lieben-weil eins ist sicher - der dann Sympathieträger Franz wird in jedem Spiel alles geben-für uns.
Ama-der geistige positive Dreggsack,Franz der Rasenvertikulierer-Die saison 09/10 kann kommen.
Gruß
Don

Kid Klappergass hat gesagt…

Peter, mein Pate, war Blusch auch so? Ich habe ja nur über ihn gelesen und der hat sich auch nach der Eintracht in Köln nicht gebessert, habe ich den Eindruck.

Die nächste Saison kann kommen, aber ich brauche jetzt wirklich eine Pause. Und noch zwei gute Neuverpflichtungen. :-)

Gruß vom Kid

Anonym hat gesagt…

...einer wurde noch nicht genannt: Alexander Kutschera. Der tat der Eintracht auch gut...

cardaso hat gesagt…

Danke für den wunderbaren Beitrag!

Kid Klappergass hat gesagt…

Danke für das Lob, cardaso. Es freut mich, wenn er dir gefallen hat.

Gruß vom Kid

HeinzGründel hat gesagt…

Mein Don:)

Kid Klappergass hat gesagt…

Nix da, Heinz! Das ist meiner! :-)

schnellinger hat gesagt…

Ich erhöhe um Eisen-Dieter :-)

Kid Klappergass hat gesagt…

Schlindwein, schnellinger? Dr. Schlitzer himself? :-)

Andy (Rigobert_G aD) hat gesagt…

Sziedat. Ja! Er ist mein Held. Hin- und Rückspiel gegen den Drittligisten jeweils die Rote kassiert. 15 Jahre später konnte ich mich persönlich bei ihm dafür bedanken. Er lachte. Ich auch. :-)

DA hat gesagt…

Hinterhältig? Während alle auf eine Flanke warten dem Gegenspieler auf den Fuss treten? Das haben wir doch schon als Jugendspieler gemacht. Natürlich nur auf Rasen. Auf Hartplätzen war es meist besser, Sand in die Augen zu werfen.
Ich mache mir Sorgen um einen Stürmer, dem so etwas passiert. Bundesligatauglich ist der nicht.
Mein Name ist Finken ... ach ne, der war nicht bei der Eintracht ...

Kid Klappergass hat gesagt…

Andy, weißt du, was ich "dazu" mal geschrieben habe: :-)
Auch in der zweiten Halbzeit haben die Offenbacher nicht eine Torchance; aber das 1:0 ist denkbar knapp. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel - und das mitten im Schneegestöber, wie unpassend – läuft Michelberger unbewacht auf das Frankfurter Tor zu. Sziedat, der alte Recke, steht seitlich und nimmt beherzt Fahrt auf. Alle im Stadion sehen, dass er Michelberger nicht mehr erreichen kann, aber geht nicht gibt es nicht für einen wie „Icke“ Sziedat. Nicht heute, nicht hier und nicht jetzt. Dieses Mal nicht! Dieses Spiel gewinnen wir. Koste es, was es wolle!

Und während andere immer gerne davon reden, dass es gilt, Opfer zu bringen, tut „Icke“ das, was am meisten Mut erfordert: er „opfert“ sich. Der Einzelne ist nichts, die Mannschaft ist alles. Gegen Ende seiner Karriere, in seiner letzten Saison für die Eintracht, nimmt er die rote Karte willig hin – auch wenn es für ihn als Wiederholungstäter eine wochenlange Sperre bedeutet.

„Icke“, auch wenn du hinterher behauptest hast, dass du dachtest, Du würdest den Ball noch bekommen können: Ich weiß es besser. Und ich werde Dir immer dafür dankbar sein.
Noch Fragen? :-)




Klar ist das hinterhältig, Micha. Und ich habe so etwas nie gemacht. Ehrlich. Ich war immer der "Mantzios". Also nicht "bundesligatauglich". :-)

Ob Herbert Finken diesen Satz wohl jemals gesagt hat oder ob das auch nur eine Legende ist? Allzu viele Gegenspieler mussten sich in der Bundesliga auch keine Gedanken darüber machen, ob sie "gleich hinken" würden - Finken kam für Tasmania Berlin, dem Schlusslicht der ewigen Bundesligatabelle, lediglich auf 10 Ligaeinsätze. Und die Noten waren nicht gerade überzeugend, oder?

Tasmania war übrigens tatsächlich nicht bundesligatauglich und die Geschichte ihres "Aufstiegs" nicht mehr als eine Posse. Immerhin - sie haben Geschichte geschrieben. :-)

Erinnert sich eigentlich jemand daran, dass wir in den Saison zuvor unsere bis heute höchste Heimniederlage in der Bundesliga gegen den sportlichen Absteiger KSC erlitten haben? Der KSC durfte wie Schalke nur in der Liga bleiben, weil Hertha wegen zu hoher Gehälter und Handgelder zwangsweise absteigen musste und gleichzeitig die Bundesliga von 16 auf 18 Vereine aufgestockt wurde ...

Andy (Rigobert_G aD) hat gesagt…

Kid, wieso wundert mich das nicht, dass Du bereits unseren Herthaner Helden gewürdigt hast.

Habe eine Idee, falls unsere 74er Schwalbe nicht will. Wir schreiben was über die Bad Guys der Eintracht... ;-)

Kid Klappergass hat gesagt…

Wenn unter die "Bad Guys" auch Thommy Rohrbach und Ansgar Brinkmann fallen, wäre das eine Idee, mit der ich mich anfreunden könnte. ;-)

Es wird wieder mal Zeit für ein richtig gutes Buch über die Eintracht. Das von Daniel Meuren über Körbel ist keines.

Kommentar veröffentlichen