Am 26.6.2009 meldete die Frankfurter Rundschau: "Zum anderen hat der Aufsichtsrat der "Fußball AG" eine Ausschüttung an die Aktionäre genehmigt. Dabei handelt es sich um eine Million Euro, von denen 720.000 Euro an den Hauptaktionär, den Verein Eintracht, gehen." Die FAZ hatte bereits am 24.6. ähnliches berichtet: Die Liquidität bei der Spielersuche leidet darüber hinaus unter einer Ausschüttung von einer Million Euro an die Aktionäre der „Fußball AG“, die der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Herbert Becker unlängst beschloss. 72 Prozent der Aktien gehören dem Verein Eintracht Frankfurt, der 720.000 Euro erhielt.
Diese Information darf man nach dem Artikel, den Josef "Peppi" Schmitt heute in der FAZ veröffentlicht hat, getrost als überholt betrachten: Nun hat sich auch der Aufsichtsrats Vorsitzende Herbert Becker in die Diskussion eingeschaltet und bestritten, dass es der Aufsichtsrat gewesen sei, der die Ausschüttung in dieser Form so beschloss. Der Gewinn der AG im letzten Geschäftsjahr betrug 2,8 Millionen Euro. Ausgeschüttet worden sind offenbar 1,2 Millionen Euro, davon sollen knapp 800.000 Euro an den Verein geflossen sein. Bruchhagen habe dem Aufsichtsrat einen Vorschlag unterbreitet, wie die 1,2 Millionen Euro verteilt werden könnten. Das Gremium habe diese Idee auch mehrheitlich genehmigt, sagte Becker und schlug sich damit auf Bruchhagens Seite. Doch die Hauptversammlung der Aktionäre, wie der Aufsichtsrat ein Organ der AG, habe mit der Mehrheit des Vereins den Bruchhagen-Vorschlag gekippt.Der Artikel der "Bild" vom 30.6.2009 ist also nicht aus der Luft gegriffen. Dort heißt es: "Intern fliegen die Fetzen. Das Wort „Lügner“ saust hin und her."
Nun, dass "intern" etwas im Argen liegt, was dringend der Bereinigung bedarf, habe ich in diesem Blog ja mehrmals thematisiert, unter anderem in meinem Eintrag Kehraus. Überraschend ist für mich allerdings, dass die Einheit, die Fischer und Bruchhagen bislang öffentlich demonstrierten, gerade erheblich leidet. "Lügner" würde ich dennoch im Augenblick keinen der Beteiligten nennen.
Peter Fischer soll laut der Bild vom 30.6. - und im Kern laut Schmitts Artikel in der FAZ von heute - folgendes gesagt haben: „Die AG war frühzeitig einbezogen in die Entscheidung, ob wir in die Regionalliga wollen. Und dass das teurer würde. Es hängt mir langsam zum Hals raus!“ (Bild, 30.6.2009) Bruchhagen dagegen wird gestern dagegen in der FNP aus der Pressekonferenz vom 29.6.2009 wie folgt zitiert: «Ich gieße ungern Wasser in den Wein, aber wir stehen vor schweren Zeiten. Es ist sehr schwierig, qualitativ gute Spieler zu bekommen, zumal überraschende Geldabflüsse hinzu gekommen sind.»
Widersprechen sich diese beiden Aussagen? Ich meine nein. Bruchhagen hat in der Tat Grund von einem "überraschenden Geldabfluss" zu sprechen, sah sein vom Aufsichtsrat genehmigter Vorschlag zur Verwendung des Gewinns der AG laut Herbert Becker anders aus als die nun von der Hauptversammlung beschlossene Verteilung. Ich sehe darin keinen Widerspruch zu Peter Fischers Aussage, die AG sei in die Entscheidung, ob man den sportlich erreichten Aufstieg in die Regionalliga realisiert, "frühzeitig einbezogen" gewesen und habe gewusst, "dass das teurer würde". Jemanden einbeziehen und wissen lassen, bedeutet ja nicht, dass dieser jemand auch mitentschieden hat.
Folgendes Szenario, dass zu Fischers Aussage passt, halte ich für möglich: Verein und AG sind sich vor Saisonbeginn 2008/09 darin einig, dass die U23 aus sportlichen Erwägungen heraus, den Aufstieg in die Regionalliga realisieren sollte. Allen Beteiligten ist klar, dass das Budget nicht reicht. Die AG will ihren Zuschuss an den Verein jedoch nur erhöhen, wenn sie dafür auch mehr Einfluss auf die U23 bekommt. Aus Sicht der AG verständlich. Der Verein lehnt jedoch eine größere Einflussnahme der AG ab. Auch das ist verständlich. Selbst wenn bei anderen Vereinen, bei denen der Profifußball ausgegliedert ist, zumindest die U23 der Profi-Abteilung direkt unterstellt wird, ist es eine Annahme, dass dadurch erfolgreicher gearbeitet wird. Und wie viel Einfluss würde dem Verein nach einer Ausgliederung der U23 noch bleiben? Als "Lösung" wird also der zu niedrige Etat vom Verein beschlossen, weil man weiß, dass der Fehlbetrag am Ende durch die AG ausgeglichen wird - ob sie will oder nicht.
Nein, ich habe keinen Beweis dafür, dass sich dieses Szenario tatsächlich so abgespielt hat. Ich sage auch lediglich, dass ich dieses Szenario für möglich halte, weil es den Aussagen Fischers und Bruchhagens nicht direkt widerspricht und sich mit den Informationen deckt, die ich bereits im Juli 2008 bekommen habe, die aktuelle Entwicklung inbegriffen.
Fest steht: Die dem Etat der U23 zugrunde gelegte Zuschauerdurchschnitt war mit 700 zu hoch angesetzt, 517 (Quelle: premiumpresse.de) oder 567 (Quelle: weltfussball.de) sollen es tatsächlich in der letzten Saison gewesen sein. Aber eine Etat-Unterdeckung, die eine Zahlung von 800.000 Euro notwendig macht, ist so nicht zu erklären.
Es steht auch noch die Frage im Raum, warum 800.000 Euro benötigt werden, wenn die Unterdeckung für die neue Saison bei der U23 tatsächlich "nur" 500.000 Euro beträgt,
wie die "Bild" heute schreibt und es in der FNP von Klaus Veit für die alte Spielzeit bestätigt wird. Nach Veits Artikel in der FNP "konnte und wollte" der Verein, die von der AG angebotene Ausschüttung von rund 400.000 Euro (also knapp 300.000 für den Verein) nicht annehmen. Die Verhandlungen zwischen AG und Verein sollen laut Veit daraufhin im Februar gescheitert sein.Ich frage mich nach dem Lesen von Veits Artikel, inwieweit es nun hilfreich sein soll, erneut einen "abgespeckten" Etat aufzustellen, der am Ende entweder erneut nicht ausreichend sein wird oder zu einer sportlichen Schwächung der U23 führt?
Wie es nun auch sein mag, so wie ich hier vermute oder vielleicht doch ganz anders: Eintracht sieht anders aus. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege und an die Zeit vor Bruchhagens Amtsantritt denke, stimmt das ja gar nicht. Genau so hat die Eintracht über Jahrzehnte ausgesehen. Ich hätte auf diesen Anblick verzichten können.
6 Kommentare:
Kid, du hast den Finger in die Wunde gelegt. Nicht nur die Mode wiederholt sich. Auch Animositäten, Eifersüchteleien, Kompetenzgerangel und Geltungsdrang. Und aus unserer Diva wird wieder einmal ein keifendes altes Weib.
...und man erkennt wie unrealistisch der Blick auf Liga 3 gewesen ist. Gruß aus OWL.
Ach,dass es mal so rischtig ruhig bei uns ist-kannste grad vergessen.Ich dachte wirklich -die Zeiten der Kulissenschieber gehören der Vergangenheit an. Ja,Frank,aus einer wunderbaren Diva auf dem Platz ist ein Ohnsorg Theater geworden "Tratsch im Treppenhaus" nur jeder uff
der Gass hört mit.
Ich hör immer nur ka geld,nix uff de Weste. Über 47000 Zuschauer im Schnitt-die letzten 3 Jahre-davor 43 000 ich kanns net verstehen.Plus die TV Gelder:-( 1972/73 hatten wir 13714 im Schnitt und im VERGLEICH wohl die gleichen Ausgaben wie heute.
Gruß
Rudi Ratlos
Da kommt der Verein des Herzens, die Diva im Herzen Europas gerade wie ein rückfälliger Junkie rüber. Therapie irgendjemand? ... running all round my brain ...
Ach, Kid, auch ich hätte auf diesen Anblick verzichten können.
Viele Grüße in die Klappergass,
Fritsch.
Bei der Entscheidungsfindung wäre ich ja gerne einmal Mäuslein gewesen.
Soweit es nicht um die Wahl von Aufsichtsratmitgliedern oder Prüfern geht, ist es aktienrechtlich zwingend erforderlich, der Hauptversammlung mit der Tagesordnung einen gemeinsamen Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat zur Beschlussfassung vorzulegen.
Da die Anteilseigner im Aufsichtsrat gewöhnlich mehrheitlich vertreten sind, können sie also bereits im Rahmen der vor der Hauptversammlung stattfindenden Aufsichtsratssitzung, in der über den Vorschlag des Vorstands beraten wird, ihre Kritikpunkte anbringen.
Peter Fischer etwa hat ja auch Sitz und Stimme im Aufsichtsrat. Entscheidet sich dieser mehrheitlich, einem Vorschlag des Vorstands zu folgen, ist die Sache damit eigentlich "in trockenen Tüchern".
Die Verwunderung von Heribert Bruchhagen, dass die Hauptversammlung eine andere Entscheidung getroffen hat, ist also durchaus verständlich.
Insbesondere dann, wenn in der Aufsichtsratsitzung der Vorschlag nicht nachhaltig in Frage gestellt wurde. Der Vorstand wird hier geöhnlich anwesend sein, schon um seinen Vorschlag dem Aufsichtsrat zu erläutern. Da ist also genug Gelegenheit zur Diskussion.
Dass dann die Hauptversammlung einen Vorschlag des Vorstands abschmettert, ist schon recht ungewöhnlich. In unserem Unternehmen ist das meines Wissens noch nie vorgekomnen.
Dort wird der Beschluss im Grunde nur noch formal umgesetzt, de facto von denselben handelnden Personen.
Wenn der Verein Eintracht Frankfurt e.V. als Aktionär in der Hauptversammlung den vorgelegten Vorschlag ablehnt, müsste darüber zuvor der Vorstand entschieden haben.
Denn in der Hauptversammlung wird entweder ein Vertreter des Vereins per Vollmacht auftreten - und die muss er sich vorher absegnen lassen - oder der Vorstand muss in vertretungsberechtiger Zahl in der Hauptversammlung auftreten und sein Votum abgeben.
Dass muss vorher im Vorstand des Vereins entschieden werden. Dem gehören aber doch wiederum Personen an, die auch im Aufsichtsrat sitzen.
Warum haben die dann nicht bereits in diesem Gremium den Vorschlag abgelehnt, kommen erst jetzt aus der Deckung und beschädigen den Vorstandsvorsitzenden der AG? Denn genau das geschieht natürlich, wenn Bruchhagen mit seinen Vorschlägen nicht durchdringt.
Sehr dubios, das Ganze. Und wie schon im Falle Funkel alles andere als förderlich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Gremien.
Ich bin besorgt. Wenn das mal auf Dauer gut geht. Dass Bruchhagen seinen Frust jetzt schon in die Öffentlichkeit trägt spricht Bände. Und der Ton der anderen Seite wird ja auch zunehmend rauher, getreu dem Motto, der soll erst mal selbst seine Hausaufgaben machen und Mahdavikia loswerden.
Eintracht ist das wahrlich nicht. :-(
Danke für eure Kommentare!
Gruß vom Kid
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